13. Juli – Festtag der Göttin Demeter
Wann hast du das letzte Mal bewusst gespürt, dass du bereits genug bist?
Nicht genug geleistet. Nicht genug erreicht. Sondern einfach genug.
In unserer heutigen Welt scheint alles auf Wachstum ausgerichtet zu sein. Mehr Erfolg, mehr Geld, mehr Selbstoptimierung, mehr Geschwindigkeit. Kaum haben wir ein Ziel erreicht, wartet schon das nächste auf uns. Viele Frauen leben dadurch in einem ständigen Gefühl des Mangels, obwohl sie objektiv betrachtet längst ein erfülltes Leben führen.
Der Festtag der griechischen Göttin Demeter lädt uns dazu ein, für einen Moment aus diesem Kreislauf auszusteigen und uns daran zu erinnern, dass wahre Fülle nicht im Außen beginnt, sondern in unserer Fähigkeit, das Vorhandene wirklich zu empfangen.
Demeter – die Mutter der Erde
Demeter ist die Göttin der Fruchtbarkeit, des Getreides, der Ernte und der nährenden Mutterkraft. Sie schenkt den Menschen Nahrung und lehrt sie, die Erde zu bebauen. Ohne sie gäbe es keinen Sommer, keine goldenen Felder und keinen gedeckten Tisch.
Doch Demeter ist weit mehr als eine Erdgöttin.
Sie verkörpert den weiblichen Kreislauf des Lebens. Gemeinsam mit ihrer Tochter Kore – später Persephone – erinnert sie uns daran, dass jedes Leben aus Phasen besteht: aus Wachsen und Ruhen, aus Blühen und Loslassen, aus Licht und Dunkelheit.
Als junge Kore steht sie für Neubeginn und Frühling.
Als Demeter verkörpert sie die reife Frau, die nährt, erschafft und Verantwortung übernimmt.
Als Persephone kennt sie den Weg in die Unterwelt und damit die Weisheit der Wandlung.
Vielleicht liegt genau darin ihre größte Botschaft: Eine Frau muss nicht immer dieselbe sein. Sie darf sich verändern.
Die Angst vor dem Mangel
Die berühmteste Geschichte um Demeter erzählt vom Verlust ihrer Tochter Persephone.
Als diese in die Unterwelt entführt wird, verliert Demeter jede Freude am Leben. Die Erde wird unfruchtbar. Nichts wächst mehr. Erst als Persephone einen Teil des Jahres zurückkehren darf, beginnt die Natur wieder zu erblühen.
Diese Geschichte beschreibt nicht nur den Ursprung der Jahreszeiten.
Sie erzählt von etwas, das viele Frauen kennen.
Wenn wir den Kontakt zu einem wichtigen Teil von uns verlieren, verschwindet oft auch unsere Lebendigkeit.
Vielleicht hast du irgendwann aufgehört zu tanzen.
Vielleicht hast du deine Sinnlichkeit hinten angestellt.
Vielleicht hast du immer funktioniert und vergessen, wie sich Genuss eigentlich anfühlt.
Dann wird das Leben äußerlich zwar weiterlaufen, innerlich aber fühlt es sich manchmal wie Winter an.
Demeter erinnert uns daran, dass jede Frau ihre eigene Persephone zurückholen darf.
Fülle beginnt mit Empfangen
Viele Frauen haben gelernt zu geben.
Sie kümmern sich um ihre Familie, hören Freundinnen zu, organisieren den Alltag, tragen Verantwortung und sind für andere da.
Empfangen fällt ihnen dagegen deutlich schwerer.
Ein Kompliment wird relativiert.
Hilfe wird abgelehnt.
Zeit für sich selbst fühlt sich egoistisch an.
Doch die Natur zeigt uns etwas anderes.
Ein Feld kann nur dann neue Früchte hervorbringen, wenn es zuvor genährt wurde. Die Erde nimmt Regen auf, bevor sie Blüten hervorbringt. Auch wir Menschen funktionieren nach diesem Prinzip.
Empfangen ist kein Luxus.
Empfangen ist die Voraussetzung dafür, langfristig geben zu können.
Das Getreidebündel – ein uraltes Symbol des Vertrauens
Früher war es vielerorts Brauch, einige Getreidehalme der letzten Ernte aufzubewahren.
Sie wurden mit bunten Bändern geschmückt und in der Küche aufgehängt. Dort sollten sie den Segen der Göttin bewahren und daran erinnern, dass die Erde auch im nächsten Jahr wieder für Nahrung sorgen würde.
Aus heutiger Sicht wirkt dieser Brauch vielleicht schlicht.
Doch seine Botschaft ist zeitlos.
Dankbarkeit schafft Vertrauen.
Wer regelmäßig innehält und wahrnimmt, was bereits da ist, erlebt oft mehr innere Fülle als jemand, der ständig nach dem Nächsten strebt.
Vielleicht braucht es dafür gar keine großen Rituale.
Vielleicht genügt es schon, den ersten Bissen einer Mahlzeit bewusst zu schmecken oder beim Einkaufen kurz innezuhalten und sich daran zu erinnern, wie selbstverständlich wir heute Zugang zu Nahrung haben.
Verkörperungsübung: Die Fülle in deinem Körper spüren
Suche dir einen ruhigen Ort, an dem du für einige Minuten ungestört bist.
Stelle beide Füße auf den Boden und richte deine Wirbelsäule sanft auf. Lege eine Hand auf dein Herz und die andere auf deinen Unterbauch.
Atme langsam durch die Nase ein und stelle dir vor, dass mit jedem Atemzug goldene, warme Sonnenstrahlen durch deinen Körper fließen.
Frage dich anschließend:
“Wo in meinem Leben bin ich bereits reich beschenkt?”
Lass keine Gedanken entstehen.
Warte auf ein Gefühl.
Vielleicht taucht Dankbarkeit auf.
Vielleicht Weichheit.
Vielleicht Tränen.
Bleibe einige Atemzüge bei diesem Empfinden und erlaube deinem Körper, Fülle nicht nur zu denken, sondern tatsächlich zu fühlen.
Musik für dein Demeter-Ritual
Für dieses Ritual eignet sich ruhige, erdende Musik mit Naturklängen oder sanften Instrumenten wie Harfe, Flöte oder Handpan.
Wenn du magst, gehe anschließend barfuß über eine Wiese oder durch deinen Garten und verbinde dich bewusst mit der Erde unter deinen Füßen.
Fragen für dein Journal
- Was bedeutet Fülle für mich – unabhängig von Geld oder Besitz?
- Wo in meinem Leben erlebe ich bereits Überfluss, ohne ihn wirklich wahrzunehmen?
- Welche Form des Empfangens fällt mir am schwersten?
- Welche innere “Persephone” möchte ich zurück in mein Leben holen?
- Wofür möchte ich heute bewusst Danke sagen?
Ein kleines Demeter-Ritual
Wenn du Zugang zu einem Feld oder einer Wiese hast, pflücke einige Getreidehalme – selbstverständlich nur dort, wo es erlaubt ist – und binde sie mit bunten Naturbändern zusammen.
Während du das Bündel bindest, kannst du für alles danken, was dich in diesem Jahr genährt hat: Menschen, Erfahrungen, deinen Körper oder einfach das Leben selbst.
Hänge das Bündel anschließend in deiner Küche auf.
Nicht als magischen Gegenstand, sondern als tägliche Erinnerung daran, dass Fülle dort beginnt, wo wir lernen, das Leben bewusst zu empfangen.
Fazit
Der Festtag der Demeter erinnert uns daran, dass weibliche Kraft nicht nur im Erschaffen liegt, sondern auch im Empfangen, Nähren und Vertrauen.
Vielleicht müssen wir nicht immer mehr leisten, um uns erfüllt zu fühlen.
Vielleicht dürfen wir stattdessen öfter innehalten und erkennen, dass vieles, wonach wir suchen, längst in unserem Leben vorhanden ist.
So wie ein Korn erst in der Erde ruhen muss, bevor daraus eine neue Ernte entsteht, dürfen auch wir immer wieder Phasen des Ankommens zulassen.
Denn wahre Fülle entsteht nicht durch das, was wir besitzen.
Sie entsteht durch das, was wir mit offenem Herzen empfangen können.


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